DGfM: Pilz des Jahres 2026: Igelstachelbart

Ein außergewöhnlicher Pilz mit großer Bedeutung für unsere Wälder

Foto: Lebrac – Igelstachelbart (Hericium erinaceus), Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Mit der Wahl des Igelstachelbarts (Hericium erinaceus) zum Pilz des Jahres 2026 rückt die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) eine Pilzart in den Fokus, die vielen Naturfreunden bislang kaum begegnet ist. Das liegt nicht daran, dass der Pilz unscheinbar wäre – ganz im Gegenteil. Seine langen, weißen Stacheln verleihen ihm ein unverwechselbares Aussehen, das eher an eine Löwenmähne oder einen Seeigel erinnert als an einen klassischen Hutpilz.

Der Igelstachelbart gehört zu den faszinierendsten Holzbewohnern unserer heimischen Wälder und ist gleichzeitig ein wichtiger Indikator für naturnahe, alte Laubwaldbestände. Seine Auszeichnung zum Pilz des Jahres soll deshalb nicht nur auf den Pilz selbst aufmerksam machen, sondern auch auf den Schutz seines wertvollen Lebensraums.

Woran erkennt man den Igelstachelbart?

Wer den Igelstachelbart einmal gesehen hat, wird ihn kaum mit einer anderen Pilzart verwechseln. Der Fruchtkörper besteht aus einer kompakten, meist kugeligen oder polsterförmigen Masse, von der zahlreiche weiche Stacheln senkrecht nach unten hängen. Diese können mehrere Zentimeter lang werden und tragen die Sporen des Pilzes.

Junge Exemplare sind reinweiß und wirken fast flauschig. Mit zunehmendem Alter verfärben sie sich cremefarben bis leicht gelblich. Einzelne Fruchtkörper können einen Durchmesser von bis zu 30 Zentimetern erreichen und ein beachtliches Gewicht entwickeln.

Da der Pilz weder Lamellen noch Röhren besitzt, gehört er zu den sogenannten Stachelpilzen – einer kleinen, aber äußerst interessanten Gruppe innerhalb der Großpilze.

Lebensraum und Vorkommen

Der Igelstachelbart wächst überwiegend an alten Laubbäumen. Besonders häufig findet man ihn an Rotbuchen, seltener auch an Eichen oder anderen Laubhölzern. Er besiedelt geschwächte oder bereits abgestorbene Stämme und entwickelt seine Fruchtkörper oft mehrere Meter über dem Boden.

Als Weißfäulepilz baut Hericium erinaceus Lignin und andere Holzbestandteile ab. Dadurch trägt er wesentlich zum natürlichen Stoffkreislauf im Wald bei. Ohne solche Holzpilze würden abgestorbene Bäume über Jahrzehnte erhalten bleiben und wichtige Nährstoffe nicht wieder in den Boden gelangen.

Die Hauptfruktifikationszeit liegt zwischen September und November, wobei Witterung und regionale Bedingungen den Zeitpunkt beeinflussen können.

Warum ist der Igelstachelbart so selten?

Obwohl der Pilz in Europa weit verbreitet ist, wird er in Deutschland nur vergleichsweise selten gefunden. Der Hauptgrund liegt im Verlust geeigneter Lebensräume. Alte Laubwälder mit hohem Totholzanteil sind vielerorts seltener geworden, wodurch zahlreiche spezialisierte Holzpilze ihre natürlichen Standorte verlieren.

Der Igelstachelbart wird deshalb in Deutschland als stark gefährdet eingestuft. Die DGfM nutzt die Wahl zum Pilz des Jahres, um auf die Bedeutung alter Wälder und eines naturnahen Waldmanagements aufmerksam zu machen. Stehendes und liegendes Totholz ist kein Zeichen mangelnder Waldpflege, sondern eine unverzichtbare Lebensgrundlage für Pilze, Insekten, Moose und viele weitere Organismen.

Essbar und beliebt – aber bitte nicht sammeln

Unter Pilzkennern gilt der Igelstachelbart als ausgezeichneter Speisepilz. Sein festes, helles Fleisch entwickelt beim Garen eine angenehme Konsistenz und wird geschmacklich häufig mit Meeresfrüchten oder Hummer verglichen. Besonders in der asiatischen Küche besitzt er seit langer Zeit einen festen Platz.

Gerade weil die Art in der Natur selten geworden ist, sollten wild wachsende Exemplare jedoch grundsätzlich nicht entnommen werden. Wer den Igelstachelbart probieren möchte, findet inzwischen kultivierte Fruchtkörper aus nachhaltigem Anbau im Fachhandel oder kann ihn sogar selbst auf geeigneten Substraten kultivieren.

Forschung und medizinisches Interesse

In den vergangenen Jahren hat der Igelstachelbart auch außerhalb der Mykologie große Aufmerksamkeit erhalten. Wissenschaftliche Arbeitsgruppen beschäftigen sich intensiv mit seinen Inhaltsstoffen und untersuchen deren mögliche biologische Eigenschaften.

Dabei ist wichtig zu unterscheiden: Die Forschung liefert interessante Erkenntnisse, dennoch lassen sich daraus derzeit keine allgemeinen Aussagen über medizinische Wirkungen beim Menschen ableiten. Nahrungsergänzungsmittel auf Basis des Igelstachelbarts sind keine Arzneimittel und ersetzen weder eine medizinische Behandlung noch eine ausgewogene Ernährung.

Warum wurde der Igelstachelbart zum Pilz des Jahres 2026 gewählt?

Mit der Ernennung möchte die Deutsche Gesellschaft für Mykologie das Bewusstsein für die ökologische Bedeutung von Holzpilzen stärken. Der Igelstachelbart steht stellvertretend für zahlreiche seltene Arten, die auf alte Bäume und ausreichend Totholz angewiesen sind.

Sein Schutz bedeutet deshalb weit mehr als den Erhalt einer einzelnen Pilzart. Er trägt dazu bei, wertvolle Waldökosysteme zu bewahren und die biologische Vielfalt langfristig zu sichern.

Fazit

Der Igelstachelbart (Hericium erinaceus) gehört zweifellos zu den eindrucksvollsten heimischen Großpilzen. Sein außergewöhnliches Erscheinungsbild, seine wichtige Rolle als Holzbewohner und seine Seltenheit machen ihn zu einem idealen Botschafter für den Waldnaturschutz. Die Wahl zum Pilz des Jahres 2026 erinnert daran, wie wertvoll alte Laubwälder und Totholz für die Artenvielfalt sind – und dass ihr Schutz letztlich vielen Lebewesen zugutekommt.

Quelle und weiterführende Informationen: Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM), „Pilz des Jahres 2026 – Igelstachelbart (Hericium erinaceus)“.